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Jagsttalwiesenwanderung

 

Von Klepsau bis zur Quelle des "Kuharschs"


Am Samstag, dem 18. Mai bot Karin Öchslen anlässlich der Jagstalwiesenwanderung eine geführte Tour von Klepsau bis zur Quelle des „Kuharsches“ bei Krautheim an.


Die Strecke verlief zu Beginn durch die Klepsauer Weinberge. Nach einem kurzen Anstieg ließ sich dort gut die Dreiteiligkeit der Muschelkalktäler (Kocher-, Jagst- und Taubertal) zeigen. Die Weinberge liegen geologisch in der Schicht des Unteren Muschelkalks. Dieser weist selten festes Gestein auf, er besteht hauptsächlich aus brüchigen Muschelkalkschichten – dem Wellenkalk. Bevor das Jagsttal besiedelt wurde, wuchs überall Wald. Die Südhänge wurden Anfang des letzten Jahrtausends gerodet und Weinberge angelegt. In den 1970igern und 1990igern fanden Rebflurbereinigungen statt und der Heiligenberg, wie das Gewann heißt, wird noch gänzlich weinbaulich genutzt. Nach einer Klinge wurde das Gelände hangaufwärts steiler. Falls dort einmal Weinberge waren, jetzt sind sie nicht mehr vorhanden. Der Boden sah sehr flachgründig aus und die scherbigen, sonnigenexponierten und warmen Standorte bieten Rückzugsorte für viele Pflanzen, die unter kargen Bedingungen in Steppenlandschaften leben. Die Pflanzen, die nun dort wachsen, sind entweder mit den Menschen aus wärmeren Gebieten eingewandert oder haben seit den Eiszeiten an vereinzelten extremen Standorten, wie z.B. Felsköpfen überlebt. Auffällig ist auf der Fläche das große Vorkommen des Hirschhaarstrangs oder auch Hirschwurz genannt. Die Pflanze hat ihren Namen nach dem stechend scharfen Wurzelstock. Sie wird mit ihren weißen Doldenblüte ca. 1,50 hoch und blüht im Juli.

Als weitere sonnenliebende Pflanze kommt das zierliche Sonnenröschen vor. Die gelben Blüten sehen leicht zerknittert aus, besitzen aber eine starke Leuchtkraft. Entlang des Weges wuchs die Strauchmargarite und  das Kreuzblümchen und. Die Kreuzblume hat ihren Namen daher, dass sie in der Kreuzwoche (der zweiten Woche vor Pfingsten) blüht. In der Kreuzwoche wurden früher viele Prozessionen abgehalten und die Blume wurde in Kränze gebunden.Hummelragwurz 2


Dann ging der Weg weiter an der Heiligenberghütte vorbei in den Wald. Dort führt ein schmaler Pfad serpentinenartig ins Horrenbachtal. Im lichten Buchenwald blühten Maiglöckchen und der licht- und wärmeliebende Blaue Steinsamen mit seinen bestechend blauen Blüten. Der Steinsamen hat seinen Namen von seinen steinharten weißen Samen.


Am Horrenbach angelangt verbreitete der dort wachsende Bärlauch seinen typischen Knoblauchduft, obwohl er seine beste Zeit schon hinter sich hatte. Dann ging der Weg entlang der einstigen Jagsttalbahnlinie weiter. Am Fuße der ehemaligen Weinberghänge wuchsen einige Orchideenarten. Am auffälligsten war die Bocksriemenzunge, die sich seit einigen Jahren stark im Jagsttal ausgebreitet hat. Im Schatten der Hecken war das Helmknabenkraut zu finden. Es hat seinen Namen daher, weil die Speicherknollen wie Knabenhoden aussehen. sie besitzen allerdings keinerlei stimmulierende Wirkung, also bitte nicht ausgraben.

Als Höhepunkt gab es noch die ersten Blüten der Hummelragwurze zu sehen. Die Ragwurze sind sogenannte Sexualtäuschungspflanzen. Mit ihrer Blüte bilden sie weibliche Insekten nach. Sie machen dies sehr ausgefeilt, denn es geht nicht nur um das Optische, sondern auch um das Haptische. Die Oberfläche soll sich genauso anfühlen wie ein Hummelweibchen und der Duft ist anscheinend auch der Gleiche.

Nach diesen vielen Eindrücken endete die Tour an der Tuffsteinquelle des „Kuharsches“. Zusätzlich zu dem großen wachsenden Tuffstein des Quellaustritts fasziniert dort die Rinne im Wald, in der das Wasser den Hang hinabfließt. Unten an der Landesstraße ist sie als „Kuharsch“ bekannt.

Obwohl die Streck nur ca. 4 km lang war, bot sie viel Interessantes und Ungewöhnliches. Sie führte durch verschiedene Landschaftsbereiche und bot in jedem Einzelnen viele Besonderheiten. Alle Teilnehmer der Wanderung waren erstaunt, wie vielfältig die Landschaft und wie wenig darüber bekannt ist, und betachten nun ihre Umgebung mit ganz andern Augen.

Text und Bilder: Karin Öchslen